Tanzspiele auf dem Marktplatz

 

Die Tanzspiele hatten im gesamten Festablauf eine eher untergeordnete Rolle und sollten in erster Linie dazu beitragen, die Kosten für die anderen Veranstaltungen zu decken. Die Tänze, einstudiert von Ballettmeister Ornelli vom Nationaltheater in München, wurden am 26. Juli 1925, also einen Tag nach der Uraufführung des Festspiels im Deutschen Haus, auf dem Marktplatz erstmals aufgeführt. Auch sie wurden ein wahrer Publikumsmagnet und mussten wegen der großen Nachfrage mehrmals wiederholt werden. Nach J.F. Wiedemann hatte auch die damals neu gegründete Knabenkapelle im Rahmen der Tanzspiele ihre ersten Auftritte. Auch 1926 zogen das Schauspiel und die Tänze nach wie vor zahlreiche Besucher an. Aber die allgemeinen unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse ließen auch in Nördlingen die 1925 noch euphorische Festspiellust wieder sinken. Im Stadtrat und in Teilen der Bevölkerung stieß die Unternehmungslust Dr. Mainers angesichts der leeren Kassen und der drängenden wirtschaftlichen Probleme auf immer stärkeren Widerstand und führte schließlich zu Auseinandersetzungen, an deren Ende dieser vorzeitig am 31. Januar 1927 sein Amt niederlegte.

  Nach dem Ausscheiden Dr. Mainers ging es schon 1927 um das Überleben des Tanz- und Festspiels. Die Vereinsführung hatte zur Beratung der Frage, ob auch im Jahre 1927 wieder Fest- und Tanzspiele stattfinden sollten, am 31. März 1927 zu einer öffentlichen Versammlung in den großen Saal des "Deutschen Hauses" eingeladen, an der ca. 400 Personen teilnahmen. Einstimmig wurde nach langen Beratungen eine Resolution verabschiedet, die das Festspiel für geeignet hielt, "das Wirtschaftsleben der Stadt Nördlingen zu fördern", wie es in einem Protokolleintrag des Vereins am 31. März 1927 hieß. Deshalb sollte es unter allen Umständen auch im Jahre 1927 durchgeführt werden. Aber letztlich ging es damals um "Sein oder Nicht-Sein" der Fest- und Tanzspiele. Da half es auch nichts, dass man den Ort der Aufführungen vom "Deutschen Haus" auf den Obstmarkt verlegte und die Szenen vor dieser Naturkulisse noch deutlich an Intensität gewann. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Stadt und Verein lähmten den
 

Elan und so bot die so schön und hoffnungsvoll begonnene Sache des Festspiels zuletzt ein bedauernswertes Bild des langsamen Absterbens. Dazu passte auch der Trend zu Vereinsaustritten. 1927 erklärten immerhin 40 Vereinsmitglieder ihren Austritt. Am Ende des Jahres zählte der Verein 643 Mitglieder, zu Beginn dieses Jahres waren es noch 685;
zwei Vereinsmitglieder waren verstorben. Ein Jahr darauf sollte die Mitgliederzahl auf 617 und weniger sinken - 1929 gingen die letzten Aufführungen über die Bühne. Sie sollten erst wieder nach der Neugründung des Vereins (1948) in den Jahren 1950/51 eine Renaissance erfahren.